Vor vielen Jahren saß ich in einem Konferenzsaal, in dem der deutsche Medizintechnik-Mittelstand afrikanischen Botschaftern seine Produkte vorstellte. …
Vor vielen Jahren saß ich in einem Konferenzsaal, in dem der deutsche Medizintechnik-Mittelstand afrikanischen Botschaftern seine Produkte vorstellte. Hightech vom Feinsten. Jedes Gerät eine Ingenieursleistung.
Und fast nichts davon war das, was eine ländliche Region in Botswana, Tansania oder Uganda wirklich brauchte.
Gefragt wäre Robustes gewesen. Einfaches. Geräte, die mit instabilem Strom zurechtkommen und die eine Krankenschwester nach kurzer Einweisung bedient. Vorgestellt wurde das Gegenteil.
Damals hielt ich das für eine Einzelbeobachtung. Heute kenne ich die Zahlen: Bis zu drei Viertel der Medizingeräte, die für Hocheinkommensländer entworfen wurden, funktionieren in ihrer Zielwelt nicht. Die WHO schätzt, dass in Subsahara-Afrika bis zu 70 Prozent der medizinischen Ausrüstung ungenutzt stillsteht.
Das ist kein Wartungsproblem. Es ist ein Denkfehler.
Wir liefern die Maschine — gebraucht wird ein funktionierendes System. Wir verkaufen ein Artefakt — gebraucht wird Verlässlichkeit über die Zeit. Bedarf und Angebot stehen dicht nebeneinander und verfehlen einander trotzdem. Das Ergebnis ist ein stranded investment: gebundenes Kapital, das verrostet, bevor es je etwas getragen hat.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht „Ist das Produkt gut?“, sondern: Passt dieses Produkt überhaupt in diese Welt? In meinem neuen Essay denke ich darüber nach, warum so viele gut gemeinte Projekte im Globalen Süden scheitern — und warum die Antwort weniger mit Technik zu tun hat als mit Kultur, Silodenken und der Frage, was eigentlich bleibt, wenn wir wieder gegangen sind.
Wie erlebt ihr das? Wo habt ihr das verfehlte Matching selbst gesehen?
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